Was wirkt bei ADHS: Neurofeedback oder verhaltenstherapeutisches Training? Bei diesem heißen Eisen in der ADHS-Forschung positionieren sich Tübinger Forscher nun eindeutig für eine Therapieform.

 

Unter Wutausbrüchen und innerer Unruhe leiden viele Erwachsene mit ADHS: Welche Therapie hilft ihnen am effizientesten?

© Kurhan / stock.adobe.com

TÜBINGEN. Ein verhaltenstherapeutisches Gruppentraining ist bei ADHS genauso wirksam wie ein Neurofeedback-Training – eine Placebo-Behandlung ist jedoch ebenfalls so wirksam: Das behaupten Forscher der Universität Tübingen im Fachmagazin “The Lancet Psychiatry” (DOI: 10.1016/S2215-0366(17)30291-2 ).

Die Wissenschaftler aus Bamberg, Bayreuth, Tübingen und Budapest verglichen die Methoden mit 118 erwachsenen Probanden, die eine ADHS-Symptomatik zeigten. Diese wurden in der verblindeten, randomisierten, kontrollierten Studie in drei Gruppen aufgeteilt.

Eine erhielt 12 Sitzungen Verhaltenstherapie, eine erhielt 30 Sitzungen Neurofeedback-Training und die Placebo-Gruppe 15 Sitzungen Neurofeedback und 15 mit Placebotraining. In den Placebo-Sitzungen wurden den Teilnehmern die Gehirnströme Dritter gezeigt.

Hirnströme kontrollierbar?

Die Teilnehmer der Verhaltenstrainingsgruppe erlernten Techniken zum verbesserten Zeitmanagement, Stressmanagement und zur Handlungsplanung. Beim Neurofeedback lernen die Patienten ihre Gehirnströme bewusst zu beeinflussen.

Während manche Studien in der Vergangenheit eine Abnahme der ADHS-Symptome andeuteten, vermuten manche Forscher, dass diese Abnahme nur aufgrund des Placebo-Effekts auftreten.

Die Tübinger analysierten für die Studie die Veränderungen der Symptomschwere, Konzentrationsfähigkeit und zu vier Zeitpunkten innerhalb von einem halben Jahr ebenfalls die Hirnstrommuster.

Die Neurofeedbackintervention war dabei dem Placeboversuch nicht überlegen. Die Forscher konnten keinen spezifischen Effekt des Neurofeedback auf die Hirnströme nachweisen.

Weniger Aufwand durch Verhaltenstraining

Gleichzeitig habe man gezeigt, dass die Verhaltenstherapie in der Gruppe eine vergleichbar gute Abnahme der Symptome mit sich brachte – allerdings deutlich weniger Aufwand als die beiden Neuro-Gruppen verursachte. “Unter anderem braucht es weniger Sitzungen, statt Einzeltraining ist ein Gruppentraining möglich und es entstehen keine Zusatzkosten durch Anschaffung und Unterhaltung der technischen Voraussetzungen”, so Projektleiter Michael Schöneberg.

Der Diplompsychologe fasst die Studie selbstbewusst zusammen: Die Studie zeige auf, dass “verhaltenstherapeutische Ansätze sehr effektiv und effizient in der Behandlung von ADHS-Symptomen im Erwachsenenalter sind”.

Bevor es andere Therapieempfehlungen gebe, müssen diese erst die Überlegenheit gegenüber der Verhaltenstherapie beweisen. Allerdings erwähnen die Forscher hierbei nicht, dass auch das Placebo-Training ähnlich Effekte bei den Symptomen erzielte. (ajo)

 

Quelle: https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/adhs/article/941403/studie-adhs-therapie-koennte-billiger-effizienter.html

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