Immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland nehmen Medikamente gegen ADHS – laut dem Psychologen Manfred Döpfner allerdings nicht, weil es sich um eine Modediagnose handelt. Foto: dpa

Osnabrück.  Der Kölner Psychologie-Professor Manfred Döpfner hat an der Osnabrücker Universität einen begeisternden Vortrag zum Thema AD(H)S gehalten. Darin räumte er mit vielen Mythen auf – auch dem, dass AD(H)S viel zu oft diagnostiziert wird.

Voll war es im Vortragsraum der Uni Osnabrück, so voll, dass sich einige Besucher vor die geöffnete Tür setzen mussten. Das Thema AD(H)S bleibt eines, das die Menschen bewegt – und dasselbe galt für den Vortrag des renommierten Wissenschaftlers Manfred Döpfner.

Der leitende Psychologe der Kölner Universitätsklinik ließ keinen Zweifel daran, dass AD(H)S je nach Ausprägung eine gravierende und oft schwer zu behandelnde Störung sein kann. Und auch die nicht totzukriegende Behauptung, AD(H)S würde sich spätestens mit der Pubertät „herauswachsen“, sei falsch. „AD(H)S ist ein erschreckend stabiles Problem, von der Kindheit über die Jugend bis ins Erwachsenenalter.“

Rund 40 Prozent der Betroffenen sind auch als Erwachsene noch durch die Störung beeinträchtigt. Die Symptomatik verändert sich zwar, das gilt vor allem für die motorische Unruhe, doch die Leitsymptome Impulsivität und Unaufmerksamkeit bleiben bestehen.

Jedes Gefühl innerhalb eines Moments produzierbar

Was ein extrem durch Impulse gesteuertes Verhalten in der Kindheit heißen kann, machte Manfred Döpfner an einem Beispiel deutlich: „Wenn ein Achtjähriger seine Bedürfnisse überhaupt nicht zurückstellen kann, verhält er sich wie ein Dreijähriger.“

AD(H)S habe allerdings auch positive Seiten. Die Betroffenen seien in der Regel sehr offene und gut gelaunte Menschen, voller Tatendrang, zu Scherzen aufgelegt und begeisterungsfähig. Diese emotionale Impulsivität würde nur leider oft kippen – weil AD(H)S-Betroffene jedes Gefühl innerhalb eines Moments produzieren könnten.

In seinem Vortrag erklärte Döpfner aber nicht nur das Wesen des Syndroms AD(H)S, er bezog auch Stellung zu den ewigen Vorhaltungen, mit denen sich die Betroffenen, deren Eltern und auch die AD(H)S behandelnden Ärzte herumschlagen müssen.

Wichtiger Unterschied zwischen kategorial und dimensional

Zu den beliebtesten Unterstellungen gehört, AD(H)S könne keine echte Störung sein, weil Symptome wie Impulsivität und Unaufmerksamkeit doch alle Menschen beträfen.

„Diesen Vorwurf müsste man jeder psychischen Erkrankung machen, doch man richtet ihn seltsamerweise immer nur an AD(H)S“, sagte Döpfner. Der liebe Gott habe bei der Erschaffung der psychischen Krankheiten aber nun mal leider dimensional und nicht kategorial gehandelt.

Heißt: Weil jeder Mensch manchmal unaufmerksam ist, ist nicht die kategoriale Frage relevant, ob ein Merkmal wie Unaufmerksamkeit vorliegt oder nicht. Relevant für die Diagnose AD(H)S ist die Dimension des Merkmals. Also: Wie stark ist es ausgeprägt? Dasselbe gelte ja auch beim Bluthochdruck. Denn jeder Mensch hat einen Blutdruck, der aber ab einer gewissen Dimension zum Bluthochdruck und damit behandlungsbedürftig werde.

Genauer Blick auf die Diagnose-Zahlen

Und was ist mit dem Vorwurf, AD(H)S sei eine Modediagnose? Auch dazu hatte Manfred Döpfner eine differenzierte und gleichwohl vollkommen eindeutige Antwort. Der Blick auf die in den letzten 15 Jahren enorm gestiegenen Diagnosezahlen lasse viele vorschnell annehmen, es läge eine Modediagnose vor und die rasant gestiegenen Zahlen wären grundsätzlich negativ zu bewerten.

„Das lässt aber außer Acht, dass die Zahl der Diagnosen vorher im homöopathischen Bereich lagen.“ Wenn etwas mehr als Null der Ausgangspunkt sei, könne eine rasant steigende Zahl der Diagnosen bei einer derart verbreiteten Störung so ungewöhnlich nicht sein.

Dass AD(H)S stark verbreitet ist, sei ebenfalls unzweifelhaft. Epidemiologische Studien kämen zu dem Ergebnis, dass mindestens fünf Prozent der Bevölkerung betroffen sein müssten. Die Diagnose AD(H)S hätten dem gegenüber knapp vier Prozent der Bevölkerung. Die Behauptung, AD(H)S sei eine Modediagnose, die heutzutage jedes auffällige Kind bekomme, sei deshalb nicht haltbar. „Allerdings wissen wir natürlich nicht, ob auch immer die richtigen diagnostiziert werden.“ Doch auch dieses Schicksal teilt AD(H)S mit jeder anderen Störung und Krankheit.

Pharmakotherapie oft unumgänglich

Auch bei der Frage nach der Behandlung bezog Manfred Döpfner eine klare Position. Als Psychologe würde er nur zu gerne sagen, dass Psychotherapie effektiver als Pharmakotherapie sei. „Aber leider sagen die Studien das Gegenteil.“

Ab einem gewissen Schweregrad komme man in der Behandlung des AD(H)S nicht ohne Medikamente aus. Sich nur auf die Pharmakotherapie zu beschränken, sei allerdings auch ein medizinischer Kunstfehler – der allerdings viel zu oft gemacht werde.

Den Ansatz, auch Nahrungsergänzungsmittel in der Therapie des AD(H)S zu verwenden, bezeichnete Döpfner als grundsätzlich sinnvoll. Omega-3-Fettsäuren etwa seien nachgewiesenermaßen wichtig für einen funktionierenden Neurotransmitter-Haushalt. „So etwas zu nehmen, hat deshalb absolut seine Berechtigung.“

„Sie können keine Ferien von AD(H)S machen“

Auch auf die Frage eines Zuhörers, ob man die pharmakologische Behandlung des AD(H)S auch mal aussetzen könne, etwa am Wochenende oder in den Ferien, hatte Döpfner eine klare Antwort. Zwar sei die Schule in der Regel der Ort, an dem die Beeinträchtigungen des AD(H)S am stärksten wirken würden.

Doch das Syndrom würde sich eben auch sehr oft negativ bis katastrophal auf das soziale Leben auswirken. Die Behandlung regelmäßig zu unterbrechen verbiete sich deshalb. “Sie können keine Ferien vom AD(H)S machen!“

 

Fazit: Viele haben ihre Meinungen über ADHS/ADS, ob es eine Erfindung der Pharmaindustrie ist oder nur eine neue Mode. Es gibt auch Menschen die Behaupten es sei eine Ausrede, der jenigen, die ihre Kinder nicht richtig erziehen. Fakt ist, das es Menschen gibt ob jung oder Alt, die an den Symptome von ADHS/ADS leiden. Da stellt sich die Frage nicht nach was hab ich? Sondern wie kann ich mir helfen! Dazu gibt es viele möglichkeiten: Von Ernährung und Sport bis hin zu natürliche Mitteln wie zum Beispiel LTO3. Darum bleibt es jedem selbst überlassen sich eine Meinung zu Bilden, doch sollte man offen bleiben für neue möglichkeiten.

 

Quelle vom Artikel: http://www.noz.de/deutschland-welt/gut-zu-wissen/artikel/683237/ad-h-s-ist-keine-modediagnose?utm_source=Facebook&utm_medium=Link&utm_campaign=Artikel_teilen

https://www.facebook.com/adhswissen/

 

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