Warum Sport?

Sport tut nicht nur dem Körper gut, sondern auch dem Geist!

Keine wirklich neue Erkenntnis, aber wenn man sich diese vor Augen führt wird ganz klar, warum Sport gerade für uns ADHS’ler von großer Bedeutung ist.

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Ich habe festgestellt, dass ich mich nach dem Sport körperlich wie auch geistig erfrischt fühle. Ich fühle mich dann sehr wohl und habe das Gefühl, etwas erreicht zu haben. Und zudem habe ich meiner Gesundheit etwas Gutes getan.

Studien hinsichtlich des Hintergrundes dieser Effekte bei Gesunden haben gezeigt, dass körperliche Aktivität zu ähnlichen neurophysiologischen/neurochemischen Effekten führt, wie sie eine Stimulanzien-Therapie bei ADHS’lern ausübt. Bei ADHS wurde eine positive Wirkung von körperlicher Aktivität auf Verhalten und Kognition nachgewiesen. Daher sollte Sport immer ein wichtiger Bestandteil in unserem Leben sein.

Ich selbst betreibe seit mehr als 11 Jahren Kampfsport und dieses hat mir in vielerlei Hinsicht geholfen:

  • Ich habe Disziplin gelernt: Heute gehe ich viel disziplinierter an meinen Aufgaben ran, auch wenn dies nicht immer einfach ist. Ich habe gelernt, dass man mit einer gewissen Disziplin vieles erreichen kann – egal wie die die Aufgabe auch aussieht.
  • Es gibt mir mentale Stärke & Selbstvertrauen:
    Das Erreichen von Zielen bzw. Erfolge hat mir mein Selbstvertrauen zurückgebracht.
    Und ich bin auch viel positiver dadurch geworden. Dabei betrachte ich unseren Kopf immer wie eine Theaterbühne. Wir selbst sind es, die Regie führen. Und wir entscheiden auch, was auf dieser Bühne gespielt wird – sei es positiv oder negativ.
  • Es gibt mir innere Ruhe: Durch meine gewonnene mentale Stärke und Selbstvertrauen bin ich viel entspannter und kann auch mit kritischen Situationen besser umgehen. So finde ich besser die notwendige innere Ruhe und Ausgeglichenheit in unserer so fordernden Welt.
  • Es hilft mir beim Aggressionsabbau: Die meisten von uns kennen es nur zu gut – wohin mit all der überschüssigen Energie. Der Sport hat mir enorm geholfen, diese oft auch negative Energie abzubauen und meine innere Ruhe wiederzufinden.
  • Das Training trägt zur Struktur in meinem Leben bei: Die Regelmäßigkeit des Trainings gibt mir in unserem komplexen Leben Halt und damit Sicherheit. Und die durch das Training erreichte Balance zwischen Körper und Geist hilft mir, dieses Leben zu handhaben. Denn wir alle wissen, wie wichtig für uns eine Struktur in unserem Leben ist, da wir uns schnell durch Reize, Aufgaben, Erwartungen etc. überfordert fühlen.

Was hilft?

Grundsätzlich gilt erst einmal, dass jegliche Form von Bewegung und Sport hilft. Kann diese auch noch (zumindest manchmal) in der freien Natur stattfinden, umso besser. Hier können wir dann neben frischer Luft auch gleich das wertvolle Vitamin D auftanken, welches bei einem Mangel (und dieser tritt leider bei sehr vielen auf) auch zu Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit und Depressionen führen kann.

Vorraussetzung einer guten Sportart

Ideal scheinen Sportarten zu sein, die abwechslungsreich und vielfältig sind, damit sie einem auch über längere Zeit Spass machen. Sie sollten die motorische Leistungsfähigkeit fördern, die Körperkontrolle steigern, den Betroffenen helfen Grenzen zu erfahren und zu akzeptieren sowie einen sportlich-fairen Umgang mit anderen zu lernen. Die positiven Erfahrungen durch die körperliche Bewegung an sich und die damit verbundenen Erfolgserlebnisse sowie positives Feedback führen zu einer Verbesserung von Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein und sozialer Kompetenz, was entsprechend auch auf andere Lebensbereiche einen positiven Einfluss nehmen kann.

Individual- oder Mannschaftssportarten

Aufgrund unserer Disposition, die gerade bei Kindern mit schwerer Symptomatik oftmals in einem eher aggressiven, ablenkbaren und impulsiven Verhalten münden, welches auch durch eine erhöhte Bereitschaft zu riskantem Verhalten sich selbst und andere gefährden kann, sind Individualsportarten den Mannschaftssportarten vorzuziehen. Auch fällt manchem die soziale Integration in Gruppensportarten eher schwer und Regelverstöße bzw. das Vergessen der Regeln sind keine Seltenheit.

Es gibt sicherlich keine Pauschalempfehlung, sondern die Sportart sollte immer individuell gewählt werden. Da sich die Symptome von ADHS mit zunehmendem Alter oft verändern, erscheint kann eine Unterscheidung von Kindern/Jugendlichen und Erwachsenen sinnvoll sein.

Kinder & Sport

Da es den meisten Kindern mit ADHS schwer fällt, in der Schule länger stillzusitzen und sich zu konzentrieren, sollten sie in ihrer Freizeit mit ausgleichender Bewegung motiviert werden. Bewegung kann beim Stressabbau helfen, die Konzentrationsfähigkeit steigern und die illustration of boys playing football on a white backgroundLernbereitschaft fördern. Einer Studie aus den USA zufolge könnten besonders ADHS-Kinder von einer täglichen Sporteinheit vor der Schule profitieren, wodurch zu diesem Zeitpunkt aber für die meisten nur sehr bestimmte Sportarten, wie z.B. Laufen, Schwimmen etc. in Frage kommen. Für eine sportliche Betätigung während des Rests des Tages hat man dann oft mehr Möglichkeiten.

Natürlich gilt auch bzw. gerade für Kinder, dass die gewählten Sportarten sowohl Freude an der Bewegung als auch ein hohes Maß an Selbstwahrnehmung, -steuerung und -kontrolle in sich vereinen sollten. Positive Effekte bringen Sportarten, die dem Kind Freude, Selbstbestätigung oder Anerkennung verschaffen.

Problematisch für Kinder ist das  bei vielen Sportarten vorhandene Verletzungsrisiko, denn je nach ADHS-Ausprägung können sie die Gefahren manchmal nicht so gut einschätzen oder ihre Impulsivität oder die plötzlich nachlassende Konzentration erhöht das Risiko von Unfällen. Bei derartigen Sportarten sollte das Kind daher unbedingt einen Helm und sonstige Sicherheitsausrüstung tragen.

Insbesondere folgende Sportarten können die gesunde Entwicklung von Kindern fördern:

  • Leichtathletik, Joggen
  • Kampfsportarten, z.B. Judo, Karate, Jiu Jitsu
  • Radfahren
  • Klettern
  • Tischtennis, Badminton
  • Volleyball, Beachvolleyball
  • Wassersportarten, vor allem alle Arten von Schwimmen
  • Tanzen, z.B. Hip Hop, Breakdance etc.
  • Trampolinspringen, Akrobatik und Jonglieren
  • Voltigieren und therapeutisches Reiten

Wettbewerbsdruck

Ungünstig sind Sportarten oder auch Vereine und Übungsleiter, bei denen das Kind Wettbewerbsdruck ausgesetzt wird und diesem nicht standhält. Das kann eventuell vorhandene Verhaltensstörungen noch verstärken. Auch Mannschaftssportarten mit hoher sozialer Interaktion und Gruppendisziplin sind für die meisten Kinder eher kontraproduktiv.

Erwachsene & Sport

Im Erwachsenenalter verändern sich oft die Symptome von ADHS dahingehend, dass die. Hyperaktivität abnimmt und dafür sich eine „inneren Unruhe einstellt. Erfahrungsgemäß kann Sport dann helfen, wieder innerlich zur Ruhe zu kommen. Was aber tatsächlich hilft, muss jeder für sich ausprobieren: Die einen wollen sich eher auspowern und bevorzugen daher Powersport (z.B. Spinning, Aerobic, Kampfsportarten) oder Ausdauersportarten (z.B. Joggen, Radfahren, Wandern, Schwimmen). Anderen helfen eher ruhige Aktivitäten, z.B. Yoga, autogenes Training, Tai-Chi, Schießsport, Angeln.