Ich denke, dass wir alle die Möglichkeiten nutzen sollten und müssen, die uns selbst zur Verfügung stehen, um uns besser zu fühlen und unser Leben besser zu gestalten. Dabei kommt der Ernährung für Personen mit ADHS, ADS, HS etc. eine besonders wichtige Rolle zu.

Beeinflussung durch Ernährung?

In den vielen Jahren, in denen ich jetzt mit ADHS konfrontiert bin, habe ich oft vernommen und selbst festgestellt, dass die Ernährung dabei die Intensität der Symptome deutlich beeinflussen kann. So schilderten mir bspw. viele Eltern und Betroffene selbst, dass sich viele Symptome insbesondere durch den weitestgehenden Verzicht von Fastfood, Fertiggerichten und stark zuckerhaltigen Lebensmitteln stark verbessert haben.

Heutige Gesellschaft

fast-food-veganGerade heute in unserer modernen, hektischen Welt finden viele oft nicht die Zeit, regelmäßig frisch einzukaufen und Essen entsprechend zuzubereiten. Dazu kommt das stetig wachsende Angebot an bequemen (und oft auch leckeren) Fertiggerichten, industriell be- und verarbeiteten Lebensmitteln mit ihren vielfältigen Zusatzstoffen sowie an jeder Ecke erhältlichem Fastfood. Da bleibt die oft so gewünschte „ausgewogenen Ernährung“ bei den meisten auf der Strecke.

Die Auswirkungen dieser ernährungsphysiologisch suboptimalen Ernährung zeigen sich nicht zuletzt auch gesamtgesellschaftlich in den stetig wachsenden Raten an heutigen „Volkskrankheiten“ wie Fettleibigkeit, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen etc. Während wir oft zu viel Zucker, Kohlenhydrate, gesättigte Fettsäuren, Zusatzstoffe etc. zu uns nehmen, mangelt es uns zugleich an wichtigen Mikro- und Makronährstoffen.

Was hat dies jetzt mit ADHS zu tun?

Vieles! Denn auch das Nervensystem kann nur bei entsprechender Versorgung richtig funktionieren. Man könnte auch den Volksmund zitieren, der besagt „Nur in einem gesunden Körper, wohnt auch ein gesunder Geist“.

Was sagt die Forschung

Die Forschung stellt bei ADHS ein Ungleichgewicht der Botenstoffe Serotonin, Dopamin und gesunde-ernaehrung-1024px-1024px2Noradrenalin fest. Darüber hinaus haben diverse Forschungsstudien ergeben, dass ADHS-Patienten neben diesem Ungleichgewicht an Botenstoffen auch häufig ein Nährstoffdefizit in Form eines Mangels an bestimmten Vitaminen, Mineralstoffen und Gehirnfettsäuren aufweisen.

Eine Ernährung, die die Hirnfunktionen stärkt, enthält ausreichend Aminosäuren, Vitamine, Spurenelemente, Mineralstoffe, essentielle Fettsäuren, Phospholipide sowie die richtigen Kohlenhydrate. Vermieden werden sollten raffinierte Zucker, falsche Fette, künstliche Nahrungsmittelzusatzstoffe, schwermetallhaltige Lebensmittel und Nahrungsmittel, auf die man allergisch reagiert.

Mit der richtigen Ernährung werden wir zwar nicht direkt schlauer, aber der Verzehr bestimmter Lebensmittel kann laut der Wissenschaft die Konzentration und Leistungsfähigkeit erhöhen und den Stress-Level reduzieren.

Was heiß dies für mein Kind?

Für Kinder gilt all dieses aufgrund ihres Entwicklungsstatus umso mehr, denn die Ernährung kann beträchtlichen Einfluss auf das Fühlen, Denken und Verhalten des Kindes nehmen. Es ist allgemein bekannt, dass mangelhaft ernährte Kinder häufiger Verhaltensstörungen, Konzentrationsstörungen und Lernstörungen aufweisen. Eine schlechte Ernährung zieht unweigerlich eine unzureichende Versorgung mit bestimmten Mikro- und Makronährstoffen nach sich – jenen Stoffen, die für die allgemeine Entwicklung des Kindes und für die Leistungsfähigkeit unentbehrlich sind.

Generell kann man sicherlich empfehlen:

  • Schränken Sie den Verzehr zuckerhaltiger und koffeinhaltiger Lebensmittel und Getränke möglichst stark ein bzw. verzichten Sie ganz auf diese. Diese fördern die negativen Eigenschaften von ADHS und pushen die ohnehin bereits hibbeligen Personen weiter auf. Außerdem sind sie ohnehin alles andere als gesund.
  • Trinken Sie am besten Wasser, ungezuckerter Tee und Obstsäfte ohne Zuckerzusätze.
  • Vermeiden Sie Lebensmittel mit chemischen Zusatzstoffen wie Süßstoffe, Farbstoffe, Geliermittel, Emulgatoren, Geschmacksverstärker (Glutamat), Phosphate, Nitritpökelsalz und Säuerungsmittel. Damit sind viele Lebensmittel und Fertiggerichte für ADHS’ler tabu, aber diese gesunde Ernährungsweise bringt nicht nur verhaltensauffälligen Personen viele Vorteile.
  • Stellen Sie ihre Ernährung auf mehr Obst, Gemüse und ballaststoffreiche Produkte um.
  • Essen Sie viele Proteine, z.B. Fleisch, Nüsse, Käse, Eier und Linsen.
  • Nehmen Sie viel Omega-3-Fettsäuren zu sich, die im Körper von ADHS-Patienten in zu geringer Menge vorhanden sind. Fisch gehört für uns, wie eigentlich für jeden, auf den Speiseplan, genau wie Nüsse, Oliven- oder Rapsöl.

Daneben gibt es viele Spezialdiäten, die im Hinblick auf ihren Nutzen für ADHS’ler trefflich diskutiert werden. Einige schwören darauf, da sich bei ihnen die gewünschten positiven Effekte (tlw. sogar über die Erwartungen hinaus) eingestellt haben, während sich bei anderen kaum Veränderungen zeigen.SONY DSC

Grüne Smoothies

Ich persönlich habe etwas Geniales und Leckeres für mich entdeckt und sehr gute Erfahrungen mit grünen Smoothies gemacht. Das sind Shakes aus Obst und Gemüse, die man einfach selbst zuhause in einem Mixer zubereiten kann. Dabei kann man unzählige Varianten aus allen möglichen Arten von Obst und Gemüse herstellen und es macht auch noch Spass, neue Sorten zu kreieren.

Für mich sind diese Smoothies ideal, weil ich so alle wesentlichen Nährstoffe meinem Körper zuführen kann und das auf eine leckere Art und Weise. Denn es ist sonst gar nicht so einfach, ausreichend Obst und Gemüse zu sich zu nehmen (wer isst schon wirklich jeden Tag die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Menge von 5 Portionen Obst und Gemüse?), zumal beim Kochprozess des Gemüses auch viele Nährstoffe wieder zerstört werden. Dazu kommt, dass durch das Mixen das Obst und Gemüse besser verdaulich wird und der Darm die Nährstoffe schneller aufnehmen kann.

Ich bereite mir regelmäßig einen grünen Smoothie am Morgen zu, stelle den Rest dann in den Kühlschrank und habe im Verlaufe des Tages dann noch einen leckeren und gesunden Snack.

Fazit

kinderwunsch-ernaehrung-1277px-1024px0In Sachen Ernährung für ADHS’ler gibt es sicherlich keine Pauschallösung oder die „eine“ Diät, die für alle gilt, aber die o.g. Ernährungshinweise gelten schließlich nicht nur für ADHS’ler, sondern werden gesamtgesellschaftlich empfohlen. Entsprechend profitieren von einer Ernährungsumstellung dahingehend nicht nur das betroffene Familienmitglied, sondern gleich alle mit. Unser Körper dankt es uns, wenn wir ihn mit Respekt behandeln – das gilt für die Ernährung genauso wie bspw. für die Bewegung. Und da wir Betroffene in manchen Fällen sensibler auf bestimmte Dinge reagieren, sollten wir uns in der einen oder anderen Situation vielleicht etwas stärker daran orientieren.

Ab und zu esse auch ich Schokolade, Kuchen oder eine Pizza. Das ist auch nicht verwerflich, sollte aber eher die Ausnahme sein und bewusst genossen werden. Wie ich dann immer sage: Jetzt gönne ich mir etwas!