Schule und dann?

Kaum hat man die Schule mit allen oftmals damit verbunden Problemen erfolgreich gemeistert, steht potentiell mit dem Studium eine große neue Herausforderung an. Dabei ist es auch gar nicht so selten, dass die ADHS erst im Studium diagnostiziert wird. Denn manch einer konnte durch Intelligenz die eigentlich bereits vorhandenen Probleme in dem strukturierten Schulalltag kompensieren. Da nun aber im Studium zunehmend Selbstorganisation, eine eigene Arbeitsstruktur und Motivation sowie oftmals auch die eigene Alltagsorganisation aufgrund eines eigenen Haushaltes oder einer WG gefordert sind, reicht die Intelligenz alleine zur Kompensation oft nicht mehr aus.

Was ist anders?

Auf ADHS-Betroffene wirken die sich im Rahmen des Studiums ergebenen diversen Stressfaktoren dabei wesentlich stärker als auf nicht Betroffene. Neben der fehlenden KIT Vorlesung im Audimax copyright by KIT Presse, Kommunikation und Marketing Abdruck honorarfrei im redaktionellen Bereich Belegexemplar erbeten *** Local Caption *** KIT Vorlesung im Audimaxallgemeinen Tagesstruktur gilt es mit unregelmäßigen Vorlesungszeiten, teilweise engen Prüfungsintervalle, eventuell überfüllten Hörsälen und in Abhängigkeit vom Studiengang massiven Lernumfängen klar zu kommen. Der Lernstoff ist dabei im Gegensatz zur Schule oftmals selbstständig zu erarbeiten, wobei zudem extrinsische Motivationsfaktoren und eine entsprechende Anerkennung oft komplett fehlen. Dadurch zeigen sich häufig auch folgende Schwierigkeiten in der Praxis:

  • Man verzettelt sich zwischen mehreren Aufgaben und springt zwischen diesen hin und her
  • Aufgaben werden durch die spontane Aufnahme anderer Aktivitäten häufig unterbrochen
  • Arbeiten werden lange aufgeschoben bzw. ganz zu vermeiden versucht (insb. solche, die eine erhöhte und dauerhafte Aufmerksamkeit benötigen)
  • Termine und Erledigungen werden vergessen
  • Fristen werden nicht eingehalten
  • Man schweift in Vorlesungen oder auch beim Lernen gedanklich ab
  • Chaos und Lärm in den Veranstaltungen erscheinen einem unerträglich
  • Gelesenes wird nicht wirklich erfasst und entsprechend schlecht erinnert
  • Es kommt zu Blockaden bei Prüfungen
  • Man hat eine niedrigen Frustrationstoleranz, resigniert schnell und denkt häufig an Studienabbruch

Dazu kommen dann ggf. noch Schwierigkeiten auf sozialer Ebene und in der Bewältigung des Alltags, wie bspw.

  • Probleme, sich in Gruppensituationen einzufügen
  • Probleme, den Gedanken anderer zu folgen
  • Schwierigkeiten in der sinnvollen Zeitorganisation
  • Probleme den eigenen Haushalt zu organisieren
  • Die Herausforderung einer regelmäßigen Nahrungsaufnahme sowie die Sicherstellung einer adäquaten Ernährung (Qualität)
  • Die Notwendigkeit, mit dem eigenen finanziellen Budget hauszuhalten

Die Vorteile von ADHS im Studium

csm_tum.de_studium_0f9f6b90deAber das Studium bietet natürlich auch im positiven Sinne die Freiheit von mehr Gestaltungsmöglichkeiten, die es entsprechend zu nutzen gilt. Man muss sich nicht mehr mit (so vielen) potentiell ungeliebten Fächern wie in der Schule rumschlagen und kann ein Studienfach wählen, dass den persönlichen Interessen und Neigungen entspricht. Dieses kommt der Fähigkeit der ADHS’ler zum Hyperfokussieren auf persönliche Interessensgebiete sehr zugute. Entsprechend kommt der Wahl des Studienfachs eine zentrale Bedeutung zu, nicht zuletzt um die eigene Motivation möglichst auf Dauer hochzuhalten.

Auch die freiere Zeiteinteilung kann bei richtiger Nutzung dem ADHS’ler entgegenkommen. Er muss halt nicht mehr die Zeit x am Stück „funktionieren“, sondern kann sich entsprechend erforderliche Pausen gönnen und die eigenen Leistungsspitzen besser nutzen. Dieses setzt allerdings eine gewisse Disziplin voraus, um die notwendigen Dinge wirklich auch zu erledigen. Hier geht es zu den Tipps.