Erworbene ADHS

Wenn von ADHS die Rede ist, dann zumeist im Zusammenhang mit Kindern und Jugendlichen. Entgegen der weit verbreiteten Meinung, dass sich ADHS im Erwachsenenalter auswächst, belegen viele Studien, dass bei 30-50% der betroffenen Kinder die Symptome auch im Erwachsenenalter anhalten und die Lebensgestaltung deutlich beeinträchtigen. Bei einigen wird die Diagnose auch erst im Erwachsenenalter gestellt, wobei ADHS immer bereits schon in der Kindheit vorhanden war, aber entsprechend nicht entdeckt worden ist. Es existiert keine erworbene ADHS.
Und während im Kindes- und Jugendalter Jungen häufiger betroffen sind als Mädchen (je nach Studie zwischen 3- und 9-mal so häufig), ist das Verhältnis im Erwachsenenalter weitestgehend ausgeglichen.

Änderung der Symptome

Auch wenn die ADHS bestehen bleibt, so verändern sich die Symptome im Altersverlauf etwas. Im Erwachsenenalter zeigt sich häufig ein komplexes Krankheitsbild und Erwachsene leiden zumeist stärker an einer inneren Unruhe und Nervosität, wogegen ADHS im Kindesalter oft durch eine motorische Unruhe geprägt ist. Diese innere Unruhe führt häufig zu Einschlafstörungen und bei vielen kommen außerdem ausgeprägte Stimmungsschwankungen dazu. Erwachsene haben zwar ähnlich wie Kinder auch Schwierigkeiten mit längeren Tätigkeiten im Sitzen, sie sind aber in ihrer Impulsivität nicht mehr so ungebremst wie in jüngeren Jahren.

Die größten Schwierigkeiten im privaten wie auch im beruflichen Bereich resultieren aber zumeist aus dem unorganisierten Alltag vieler Betroffener:

  • Unpünktlichkeit
  • Verschieben und Vergessen von Terminen, Abmachungen
  • Ständiges Aufschieben unangenehmer Dinge,
  • Verlegen von Gegenständen etc.

Dies ist nur ein kleiner Teil der Problembereiche als Beispiel, dies kann zu vielfältigen Folgeproblemen führen.Während der Alltag in der Kindheit noch durch das organisierte Umfeld von Eltern, Schule etc. beeinflusst wird, sind die Erwachsenen hierbei auf sich allein gestellt.

Alltag und Beziehungen

Die Umwelt erlebt Erwachsene mit ADHS häufig als unzuverlässig und desinteressiert, was zumeist anhaltende Konflikte nach sich zieht und ADHS verursacht so Probleme in der Ausbildung, im Beruf und im Privatleben. Betroffene schneiden oft bereits in der schulischen sowie beruflichen Ausbildung schlechter ab als der Rest und verlieren im Vergleich häufiger ihre Arbeit. Sie wechseln öfter die Stelle und sind eher freiberuflich tätig als Menschen ohne ADHS, da sie nur sehr schwer im Sinne der heutigen Gesellschaft 8 Stunden am Tag „funktionieren“. Daneben belasten die Symptome vorhandene Beziehungen, so dass ADHS’ler sich öfter trennen und geschieden werden sowie häufiger umziehen als andere.

Unter diesen vielfältigen Konsequenzen leidet dann verständlicherweise das Selbstbewusstsein der Betroffenen und so entwickeln sich oft zusätzliche psychische Erkrankungen wie Depressionen, Phobien oder auch Suchterkrankungen. Alles in allem eine gefährliche Spirale, der es mit allen Möglichkeiten zu begegnen gilt.

Basis – sich selbst akzeptieren

Essentiell dabei ist vor allem, dass der Betroffene sich und seine Besonderheit selbst erst einmal akzeptiert. Viele tun sich schwer damit und versuchen es zu verdrängen oder die Schwierigkeiten mit erhöhter Anstrengung zu kompensieren. Das funktioniert maximal kurzfristig, bringt einen aber ganz schnell an die Grenze des Erträglichen in emotionaler und auch physischer Hinsicht. Dagegen führt die eigene Akzeptanz eher dazu, dass man die Erwartungen an sich selbst besser einordnet und sich nicht unnötig – und zumeist auch nicht zielführend – unter Druck setzt. Zudem kann man sich dann entsprechende Strategien zu Recht legen, wie man mit bestimmten wiederkehrenden Situationen umgeht. Denn mit steigendem Alter als auch menschlicher Reife wächst natürlich auch die eigene Reflexion und diese erlaubt uns viel eher, mit ADHS erfolgreich umzugehen als im Kindesalter.

Meine Strategie

So begegne ich beispielsweise Situationen, in denen ich mich emotional verletzt oder ungerechnet behandelt fühle, heute zunächst einmal mit Humor (klappt natürlich auch nicht immer, aber durchaus meistens) und versuche später, wenn ich emotional „runtergekommen“ bin, meine Punkte zu machen. So schaffe ich es Eskalationen zu vermeiden, die in der Vergangenheit sonst häufig durch meine Impulsivität und dann auch meine oft sehr deutlichen Worte entstanden sind.

Da die Herausforderungen je nach Lebenssituation variieren, möchte ich im Folgenden noch etwas auf die größten Problembereiche eingehen und versuchen einige Tipps zum Umgang mit ADHS in der jeweiligen Situation geben.