Überschneidung von Eigenschaften – Abgrenzung

Durch die Überschneidung in den Eigenschaften von betroffenen Personen werden ADS, ADHS und HSP (hochsensible Person – Highly Sensitive Person) häufig miteinander vermischt. Dabei scheinen sich viele Betroffene selbst gerne von ADS und ADHS distanzieren und lieber den hochsensiblen Personen zuordnen zu wollen. Dieses verständlicherweise nicht zuletzt, weil in unserer Gesellschaft ADS und ADHS als Krankheit betrachtet wird und als solche anerkannt ist, während HSP einem Charakterzug gleichkommt und dabei sogar eher ein positives Image zuteilwird.

ADS und ADHS

Die Abgrenzung von ADS und ADHS fällt noch relativ leicht, wie man auch aufgrund der  Ähnlichkeit der Abkürzungen erahnen kann und den meisten bereits geläufig sein dürfte. ADS als eine Ausprägung von ADHS – ohne die „Hyperaktivität“ – wird daher auch zumeist unter dem Begriff ADHS subsummiert und ich möchte dieses im Weiteren aus Gründen der Vereinfachung auch so handhaben. D.h. wann immer der Begriff „ADHS“ fällt, ist mit diesem auch „ADS“ gemeint bzw. eingeschlossen.

ADHS und HSP

Die Abgrenzung von ADHS und HSP erscheint demgegenüber deutlich schwerer. Und das, obwohl man davon ausgeht, dass 15- 20% der Bevölkerung den HSPlern zugeordnet werden können.

Als wesentliche Gemeinsamkeit von ADHS und HSP von außen betrachtet lässt sich allgemein festhalten, dass beiden ein von der Norm abweichendes Verhalten zugrunde liegt, welches viele Parallelen aufweist. Dieses ist oft durch Überreaktionen gekennzeichnet, die aber individuell unterschiedlich ausfallen können. Leider wird aber der Begriff „Norm“ oft mit „normal“ gleichgesetzt und die Abweichung davon grundsätzlich eher als etwas Negatives gesehen, obwohl er hier eigentlich nur die Verteilung einer gewissen Eigenschaft in einer Gesellschaft widerspiegelt. Dabei ist weder das Verhalten von Hochsensiblen noch das von ADHSlern grundsätzlich anders als das der Mehrheit, sondern in bestimmten Bereichen nur intensiver ausgeprägt.

Reizoffenheit und Reizüberflutung

Dem zugrunde liegt, dass sowohl ADHSler als auch HSPler über eine sogenannte Reizoffenheit verfügen, die schnell zu einer Reizüberflutung mit den entsprechenden Reaktionen führen kann. Sie verfügen über eine erhöhte Wahrnehmungsfähigkeit, weit über dem durchschnittlichen Niveau, wobei diese nicht auf eine höhere Sensibilität der Rezeptoren zurückgeht, sondern der Verarbeitung im Gehirn. Da Ihre Filterfähigkeit in Bezug auf Reize herabgesetzt ist, nehmen sie viel mehr Reize wahr als durchschnittliche Personen, was unterschiedliche Gründe haben kann. Dadurch kommt es zur Reizüberflutung und in der Konsequenz zeigen sich dann häufig Symptome wie Müdigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen (sie können keinen klaren Gedanken mehr fassen), Stress, Angst etc.

Der wesentliche Unterschied zwischen Hochsensiblen und ADHSlern liegt in der Fähigkeit, sich konzentrieren zu können. Während es ADHSlern oft selbst in einem friedlichen Umfeld schwerfällt, sich zu konzentrieren, gelingt dieses den meisten HSPler dagegen recht gut, oft sogar überdurchschnittlich gut. Sie leiden weniger an der kontinuierlichen Unruhe und dem Chaos im Kopf eines ADHSlers, zeigen aber oft ein ähnliches Verhalten (leichte Ablenkbarkeit, Unruhe, Hyperaktivität), wenn sie stark überreizt, akut überfordert oder auch sehr gelangweilt sind.

Gerade in unserer heutigen Gesellschaft werden wir alle von Reizen und Anforderungen nahezu überflutet und nicht umsonst ist Stress und Stressempfinden heutzutage eines der häufigsten Krankheitsbilder. In diesem Umfeld ist naturgemäß eine Unterscheidung von Hochsensiblen und ADHSlern anhand des gezeigten Verhaltens kaum möglich.

Umso wichtiger ist es für Betroffene und Eltern von Betroffenen, die generelle Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit zur Differenzierung heranzuziehen. Stellen Sie bspw. bei ihrem Kind fest, dass diese in der Regel eher gut sind, aber es schnell überreizt ist, unruhig wird und unter Druck Konzentrationsprobleme bekommt, deutet dieses eher auf eine Hochsensibilität hin.

Sehen Sie aber, dass Ihr Kind generell Konzentrationsprobleme hat (auch in einem ruhigen Umfeld mit wenig Ablenkung), es motorisch unruhig ist, nicht gut zuhört, schnell das Interesse an Dingen verliert, viele Dinge anfängt, aber kaum etwas abschließt etc. dann weist es eher auf ADHS hin.
Gleiches gilt natürlich auch für Erwachsene, die diese Dinge an sich selbst beobachten können.